Digital Libraries are Nonsense

2010/10/06

Digitale Wissenschaft 2010 – Bericht

Filed under: Uncategorized — Anja @ 11:24 pm

Die Konferenz „Digitale Wissenschaft 2010“ fand am 20. und 21. September 2010 in Köln statt. Sie wurde vom Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen (hbz) mit Unterstützung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) und des Zentrums für Medien und Interaktivität (ZMI) organisiert. Das Ziel der Konferenz war es sicherlich, einen breiten Überblick über aktuelle Aktivitäten im Bereich der digitalen Wissenschaft zu vermitteln, denn für die zwei Tage waren insgesamt 42 Vorträge angesetzt (von denen lediglich 2 kurzfristig ausfielen).

Die Vorträge waren vier Sessions zugeordnet, namentlich: „Open Access und E-Publishing“, „Digital Humanities“, „eScience und Forschungsdatenmanagement“, sowie „Semantic Web“. Außerdem fand am ersten Tag eine Podiumsdiskussion statt.

Die unbedarfte Konferenzbesucherin („Ich höre mir einfach mal an, was die so vorstellen…“) wurde von der Menge an Vorträgen ziemlich überwältigt. Der Versuch, jedem Vortrag die volle Aufmerksamkeit zu widmen, und alle Informationen aufzunehmen, war vermutlich von Anfang an utopisch. Eine maximale Vortragslänge von 20 Minuten (Lightning Talks: 5 Minuten) brachte es natürlicherweise mit sich, dass die Vorträge eher hinweisenden Charakter hatten und/oder extrem komprimierte Inhalte darboten.

Aber auch „nur“ den Überblick zu behalten, war bei grob 40 Inputs ist nicht einfach. Daher der folgende nachträgliche Versuch, die vorgestellten Projekte in eine (andere) Ordnung zu bringen: Von 42 Vorträgen konne ich 28 in ein grobes Schema „Art des Projektes“ einordnen. 10 Vorträge konnte ich nicht einordnen, weil es sich um Überblicksvorträge oder Aktivitätsberichte handelte – keine „Projekte“ also. Zu vier Lightning Talks der letzen Session fehlen mir leider Informationen. Bei den „Projekten“ unterscheide ich „Entwicklungen“ (es werden anwendbare/benutzbare Produkte geschaffen) von „Studien“ (reine Analysen und Untersuchungen) und „Grundlagenforschung“ (Forschung, bei der das Erkenntnisinteresse primär ist). Ich bitte zu beachten, dass diese Einteilung nur ein recht unfundierter Ansatz ist und dazu dient, mir überhaupt ein Bild machen zu können. Von 28 Projekten habe ich 17 der Kategorie „Entwicklung“ zugeordnet, 6 der Kategorie „Studien“ und 5 der Kategorie „Grundlagenforschung“.

Des weiteren habe ich die Förderung dieser Projekte betrachtet. Die Mehrheit der Projekte wird von der DFG gefördert; knapp gefolgt von Projekten, die keine (externe) Förderung erhalten bzw. wo keine Förderinstitution genannt ist. Einzelne Projekte werden von Ministerien für Wissenschaft der Länder gefördert. Unter den Institutionen, die nur bei einem Projekt in Erscheinung treten, sind das BMBF, die EU und die Volkswagen-Stiftung.

Vorträge der DiWi10 nach Projektart und Fördergeber(in):

42 Vorträge, davon: Förderung?
DFG BMBF Länder EU Sonst. Keine / unbek.
17 „Entwicklungen“ (Produkte) 9 1 1 2 4
6 „Studien“ (Analysen, Untersuchungen) 1 1 2 1 1
5 „Grundlagenforschung“ (nicht direkt anwendungsbezogen) 1 4
28 – Summe 11 1 3 1 3 9
10 Nicht in mein Schema einordbar (Überblicksvorträge, Aktivitätsberichte)
4 Nicht berücksichtigt, weil ich die Vorträge nicht miterlebt & auch keine anderen Informationen habe

Noch einmal zurück zum Konferenzbesuch.

Es war sehr deutlich, dass die Geisteswissenschaften überrepräsentiert waren. (In den Natur- und Technikwissenschaften wird Wissenschaft schon viel länger und intensiver digital betrieben als in den Geisteswissenschaften.) Lag dies daran, dass die Organisatoren selber auf diesem Gebiet eher „zu Hause“ sind als in den Naturwissenschaften? Oder ist digitale Wissenschaft in den Naturwissenschaften gar kein Thema, sondern eine Selbstverständlichkeit? (Vgl. die Disziplin „Digital Humanities“ versus eine nicht existierende Disziplin „Digital Science“.) Oder ging es um die Förderung der digitalen Geisteswissenschaft? – Diese Frage habe ich vergessen zu fragen.

Die Diskussion in der Diskussionsrunde – es war eigentlich keine Podiumsdiskussion – rankte sich hauptsächlich um das Thema „Open Access“, und entzündete sich insbesondere an der Frage Roland Kischkels nach den Vorteilen von e-Publishing, die gleich in Kombination mit der provokanten These vorgebracht wurde, dass die künstliche Verknappung von Information, wie sie kommerzielle Verlage praktizieren, uns davor schützen würde „von Geschwätzigkeit überrollt“ zu werden. Als Gegenargumente wurden genannt: Die durchaus vorhandene Qualitätskontrolle bei OA-Publikationen und Medienkompetenz. Der Großteil der sich zu Wort meldenden war sich darin einig, dass künstliche Verknappung keine Lösung sein kann, und Qualitätsindikatoren natürlich eine große Rolle spielen (müssen). Aus Zeitgründen nur in den Raum gestellt wurde die Problematik der Speicherung großer Datenmengen und die Qualitätssicherung und Sichtbarmachung von Forschungsdaten.

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1 Comment »

  1. Danke für den Überblick — finde, deine Kategorisierung fasst die Struktur der Tagung gut zusammen.

    Comment by Cornelius Puschmann — 2010/10/18 @ 9:30 pm


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